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Follonica

Trainingslager Follonica

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Bereits zum zweiten Mal wagten sich die Zweiradpiraten in den warmen Süden, um einige sonnige Trainingskilometer abzuspulen. Das Ziel der Reise war Follonica, besser gesagt die Ferienanlage Golfo del Sole, auch unter dem Namen „Bünzlischwizerparadis“, bekannt.

Am Donnerstag vor Ostern machten wir uns, d.h. Vicky, Sandra, Jacky, Sami, Dani und Roger auf den Weg. Um 6.00 Uhr in der Früh startete der 2-Wheel-Pirates Konvoi mit insgesamt drei Fahrzeugen Richtung Süden. Als Zwischenziel mussten wir das Tessin ansteuern, da unser Bungalow erst am Samstag bezugsbereit war. Wir konnten uns im Vorfeld das grösste Bungalow sichern und waren alle gespannt, ob es wirklich wie beschrieben direkt am Strand befand. Die Reise ging also los, der Startschuss viel und das Autorennen begann... Ohne Stau, dafür nach einer Fahrt mit kleineren Überholmanövern, Duellen mit gegnerischen Fahrzeugen (Mondeo ;-)) und einem Durchschnittstempo von ca. 120 km/h erreichten wir das Fox-Town Einkaufscenter. Trotz der rasanten Fahrweise war Turbo-Dani mit Samis Volvo V50 gerade mal 20 Sekunden schneller als Roger am Ziel, der die Reise in seinem Xsara eher gemütlich anging. Die Zeitdifferenz war das Eine, der Spritverbrauch das andere, aber mit solchen Dingen muss man rechnen, wenn man eine solche Asphaltblase fährt ;-) (sorry Sami).

Da wir jedoch rund 1 ½ Stunden vor Öffnung des Centers im Fox-Town eintrafen, stellte sich die Frage, wie die restliche Zeit totzuschlagen war. Nach dem rituellen alltäglichen Café hatte Mr. Sam die zündende Idee: Ein kleiner Besuch bei seinem früheren Boss und heutigem Chefeinkäufer bei Rapelli, Vincenzo. Nebst einem erneuten Café zeigte uns Vince die Salamifabrik, in welcher der legendäre Rapelli Salami von Hand gefertigt wird (zumindest das Abbinden). Diese spontane Betriebsbesichtigung war ein tolles Erlebnis, hat man doch nicht alle Tage die Möglichkeit, einen solchen Betrieb zu besichtigen, erst recht nicht unter Umgehung sämtlicher Sicherheitssperren. Vincenzo sei Dank!

Anschliessend gings dann tatsächlich noch ins Fox-Town. Geplante Aufenthaltsdauer 1 ½ Stunden, tatsächlich wurden es schlussendlich ein paar Minuten mehr. Vollgepackt kehrten die Piraten mit den neusten Errungenschaften im Joggingbereich zu den ebenfalls bereits vollbepackten Fahrzeugen zurück. Doch oh Schreck! Das Wichtelgeschenk war in einzelnen PW’s bereits geschmolzen oder durch überhöhte Innenraumtemperaturen stark in der Form verändert worden. Aufgrund der Tatsache, dass sämtliche Rettungsversuche von vorn herein vergebens waren, fuhr der Konvoi um 15 Uhr Richtung Riazzino weiter.

Nach einer rund 1-stündigen Staufahrt erreichten wir das Motel Bamboo Haus in Riazzino. Ganz in grün, machte das Motel von aussen einen recht passablen Eindruck, doch von innen war es eher eine abgefu….. Kifferbude! Janu, ist ja nur für eine Nacht, dachten wir uns und sattelten die Rennvelos. Zu betonen ist, dass nur Dani und Roger auf die Radtour gingen, der Rest war vom Autorennen noch müde. Die Nacht war dann voller Überraschungen: Zuerst klappte Samis Bett zusammen und dann musste er sich mit einer „funkensprühenden“ Decke beschäftigen. Denn nachdem sich Sami zur Nachtruhe gebettet hatte und sich zum ersten Mal umdrehte, war das Zimmer taghell erleuchtet! Ein Funkenflug querte das Zimmer und Sami verbrannte sich beinahe den Pimmel... Nachdem die elektrifizierte Decke ausgewechselt worden war, durfte auch Samuel in seinen verdienten Schlaf versinken. Ein Atomkraftwerk hätte in dieser Nacht weniger geglüht als Samis Decke!

Rogers Geburtstag. Nach einem Happy Birthday Ständchen packten die Piraten ihre 7 Sachen zusammen, warfen ein Frühstück ein und rasten anschliessend mit Vollgas über den Ceneri Richtung Italien weiter. Das Tempo war aufgrund des Ceneri – Schleichweges von Beginn weg relativ hoch, weshalb der rote Blitz recht geknüttelt werden musste. Bereits auf dem Ciesa-Pass musste die VTS aufgetankt werden, nachdem sie trotz 120 PS-Manko bereits den zweiten Etappensieg eingefahren hatte.

Weiter ging die Jagd Richtung La Spezia, wo Samuel das Tempo vorgab. Die Nadel erreichte die magische Grenze von 200, als kurze Zeit später im Rückspiegel das Blaulicht der Polenta sichtbar wurde. Roger, der in der Mitte Fahrende, erkannte dies als letzter. Samuel, der momentan Führende der Etappe, bekam weiche Knie und drosselte unter dem Druck der Verfolger das Tempo drastisch. Es schien, als sei die Gefahr gebannt, weshalb der rote Teufel wieder auf Maximaltempo beschleunigte. Doch dann, die Schrecksekunde! Ausfahrt Rossignano, Tempo 60, Zahlstelle, linke Seite, erneut die Polenta! Einer der Carabiniere stand bei seinem Fahrzeug, der zweite schritt mit der unruhig zuckenden Kelle in der Hand auf die Fahrbahn! Die Piraten erschraken, muss wohl ein Reuegeld bezahlt werden?! Wollten die Bullen evtl. sogar den bösen V 50 entern?? Fragen über Fragen... Vor allem Samuel hatte aufgrund seiner momentanen Polizeiphase, von der weiter unten erneut die Rede sein wird, die Hose gestrichen voll, war er doch 5 Minuten vorher noch mit 2 Blatt über die Bahn gerast! Doch alles ging gut. Niemand musste die Hose runter lassen, gell Roger....!

Nach der Zahlstelle verfuhr sich Dani leicht und der Rest fand den vereinbarten Treffpunkt Rossignano Solvay nicht. Die Stimmung war gereizt, war es doch bereits wieder 2 Uhr nachmittags und der Odo konnte noch immer nicht gefüttert werden!! 45 Minuten später dann die Erlösung! Das Schweizer-Dorf und unser 6-er Bungalow wart gefunden! Wir staunten nicht schlecht, als dir das tolle Bungalow erblickten! Die perfekte Lage direkt am Strand (einmal stolpern und man befand sich quasi im Meer) und auch das Wetter war gut. 22 Grad, leicht bewölkt.

Nachdem Dani und Sandra im Tessin die Abstellkammer zugeteilt bekamen, sicherte sich der Präsident im Bungalow die Suite (welche leider anschliessend mit 5 Rennrädern geteilt werden musste), nachdem das eine halbe Ewigkeit dauernde Anmeldeprozedere zurückgelegt wurde. Roger und Vicky zogen die A****karte und mussten mit den Klappbetten im Wohnzimmer Vorlieb nehmen. Als sämtliches Gepäck ausgeräumt, ein Grosseinkauf im Conad getätigt worden war, alle Fahrzeuge parkiert und die Piratenflagge montiert war, stand die zweite Ausfahrt auf dem Programm. Leider war es bereits nach 16.00 Uhr, als wir endlich auf die Hobel steigen und deshalb nur eine kurze Erkundungsfahrt zurücklegen konnten. Nach 1 Stunde und 20 Minuten kehrten wir bereits ins Bünzli-Village zurück, hatten jedoch feststellen müssen, dass Follonica einem Labyrinth glich. Wir fanden den Weg ein wenig verspätet und leicht verpisst doch noch zurück, denn sonst könnte ich ja diesen Bericht nicht mehr schreiben. Todmüde fielen um 22.30 Uhr alle in ihre Betten und träumten den Schlaf der gerechten Raser (nachdem Roger noch ein kleines Sprintduell mit einem Jungen hingelegt hatte).
Der zweite Tag, die zweite und dritte Ausfahrt. Am Morgen machten wir alle, mit Ausnahme von Jacky, eine Runde von ca. 50 Kilometer. Nachdem wir Sandras Plattfuss (hehe..) geflickt hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Follonica. Böse Zungen behaupten, dass einige nicht gerade unglücklich waren, dass die Tour nur 50 Kilometer betrug…
Nach dem mittaglichen Spaghettiplausch machten wir (die Männer der Truppe) uns für die zweite Tour bereit. Die Route führte uns über den überraschend steilen Anstieg des Tirli. Unterwegs sammelten wir noch einen Gastfahrer ein, der einen sagenumworbenen Zauberbidon mit sich führte. Er nippte unzählige Male daran, doch der Bidon wurde und wurde nicht leer. Komisch, komisch dachten wir uns und versuchten mit Händen und Füssen, mit ihm zu kommunizieren. Die Tour neigte sich dem Ende zu und der Tacho, nicht der ODO, zeigte bereits über 100 Kilometer an. Dieser Einstiegstag war für alle nicht gerade der lockerste, insbesondere nachdem Sami in Follonica mit zirka Tempo 300 über einen Stopp raste, nur gut 50 Meter von der nächsten Polizeistreife entfernt ;-)!

Am nächsten Tag stand die Königsetappe auf dem Programm, da Vicky und Roger am Dienstag bereits vorzeitig abreisen mussten. Die tapfern Radfahrer (Sami, Dani und Roger) machten sich auf den Weg, welcher sie durch diverse Täler, Schluchten, Berge und Dörfer führen sollte. Plötzlich hörten wir ein Geräusch von hinten, es war ein sich nähernder Volvo, es waren die Mädels! Sie entschieden sich, die Tour mit dem Auto zu verfolgen und die Fahrer fliegend mit Brötli (wenn denn noch welche vorhanden gewesen wären;-)) und Getränken zu versorgen. Bereits am ersten grösseren Anstieg führte Sami einen schweren Kampf mit seinen Knien. Die Schmerzen waren zu gross geworden, somit war das Begleitfahrzeug optimal und er konnte seinen Renner ins Auto verladen. Total kaputt und sich halb im Koma befindend, schleppten sich Dani und Roger hoch nach Volterra. Der Zähler zeigte bereits über 92 Kilometer und 2'500 Höhenmeter an und ein Ende der Tour war auch noch nicht in Sicht. Oben, am Hungertuch nagend, angekommen, suchten wir unser Begleitfahrzeug. Wo war es denn? Es hatte uns am Anstieg doch überholt? Komisch, komisch… doch nach der Tour war uns klar, was passiert war. Wilde Gerüchte besagen, dass unterwegs ein Zwischenstopp eingelegt wurde, damit alle belegten Brote noch rasch gegessen werden konnten. Durch diese Vorgehensweise mussten die beiden radelnden Piraten mit halb leerem Tank die weitere Reise antreten. Man musste sich nun entscheiden, wie der weitere Streckenverlauf aussehen sollte. Es standen zwei Varianten zur Verfügung: 1) gleicher Weg zurück. 2) in Richtung Meer fahren und von dort nach Follonica zurück. Wir entschieden uns schliesslich für Variante 2, die nicht kürzer, jedoch weniger Höhenmeter mit sich brachte. Ausschlaggebend für diesen Entscheid war bestimmt auch Rogers ODO, der nämlich bis dato gerade mal 500 Kilometer gesehen hatte. Den Kampf gegen den starken Gegenwind gewannen wir schlussendlich und trafen scheintot (vor allem Roger) in Cecina ein. Nun wussten wir, dass wir noch ca. 55 Kilometer von unserem geliebten Ziel entfernt waren. Ohne Danis lange Führungsarbeiten hätte ich wohl kaum mehr in lebendigem Zustand das Ziel in Follonica erreicht. Es war einfach eine Mördertour, welche sich von einer lockeren Ausfahrt zu einem Überlebenskampf wandelte. Übrigens, der ODO war am Ziel an diesem Tag mit weiteren 183 Kilometern gefüttert worden. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, denn alles was noch am Abend passierte, war essen und schlafen.

Am nächsten Tag machten sich Vicky und Roger dann auf den Nachhauseweg. Der Prüfungsstress zwang sie leider, das Trainingslager frühzeitig zu verlassen (was sich im Nachhinein jedoch nicht als zwingend notwendig herausgestellt hat...). Kräfte wären bestimmt noch genügend vorhanden gewesen. ;-) Das Abschiednehmen wurde durch Petrus ein wenig gemildert, da es am Dienstag wie aus Kübeln pisste, weshalb die verbleibenden Piraten am Morgen einen Stadt- und Kulturbummel machten und Dani mit Sandra am Nachmittag noch gut 50 km in der Gegend herumfuhr, da sich Samuel noch immer mit seinen Knieproblemen herumschlug. Nach einem feinen Essen hauten sich alle zeitig ins Bett, da sich Sandra für den nächsten Tag grosses vorgenommen hatte.

So wollte sie, obwohl von den Männern als schwer bezeichnet, ebenfalls das Tirli bezwingen. Wir entschlossen uns, den Weg über Castiglione und somit den Aufstieg von der hinteren, längeren, jedoch weniger steilen Seite in Angriff zu nehmen. Sandra meisterte den Aufstieg souverän und freute sich (wie auf der Foto ersichtlich) über das gerupfte Tirli! Am Mittag wieder am Ferienort angekommen, hatten wir bereits 70 km zurückgelegt, bevors nach einem Imbiss auf die zweite Ausfahrt am Nachmittag ging. Sami und Dani fuhren über kleine, schmale Feldwege, bis sie plötzlich vor einer schmale, äusserst steilen Strasse standen, die Richtung Montebamboli führte. Wie der Name schon sagt, handelte es sich um einen Berg; und zwar um einen ziemlich steilen. Der Aufstieg zog sich über einige Kilometer hinweg und betrug stellenweise 20 %, was selbst für Dani als ziemlich steil bezeichnet werden musste! Doch nachdem der Gipfel erreicht war, war die Quälerei noch lange nicht vorbei, ging die Strasse doch regelmässig rauf und runter, bevor die Strasse plötzlich gesperrt war und man über einen steinigen Feldweg hätte ausweichen sollen. Da Dani auch an diesem Tag wieder mit den Supercollis unterwegs war, entschieden sich die zwei Helden trotz der Strassensperrung weiterzufahren. Doch nach einer weiteren, 20% Gefälle betragenden Abfahrt dann der Notstopp! Augenscheinlich wurde den beiden Jungs klar, weshalb die Strasse gesperrt war; ein Fluss hatte bei Hochwasser die Brücke weggespült! Da kein anderer Weg in Sichtweite war, mussten Sami und Dani wohl oder übel die Böschung runterklettern und mit ihren Lederschühchen durchs Wasser stapfen... Doch auch dieses Hindernis konnte gemeistert werden und nach einem kurzen Abstecher auf die Autostrasse ;-) und einem Tankstopp mit verspritzendem Cola befand man sich nach weiteren 60 km und 1500 HM wieder in Follonica. Kurz geduscht und etwas Kleines gegessen, machte sich die Truppe zum Abendessen nach Castiglione della Pescaia (oder wars Massa Marittima?) auf.

Neuer Tag, neues Glück (dachten wir zumindest). Am Morgen fuhren Sami, Sandra und Dani bei starkem Gegenwind nach Riotorto, doch nachdem Samis Knie nach der gestrigen Ausfahrt nicht richtig wollte, fuhr Dani am Nachmittag alleine erneut Richtung Tirli und legte zusammengezählt an diesem Tag wiederum knapp 120 km zurück und freute sich im Anschluss auf das feine Nachtessen!

Bereits war der letzte Tag gekommen! Wie am Vorabend spontan entschlossen, packten die verbliebenen Piraten und Piratinnen am Freitagmorgen ihr Gepäck (einige vergassen ihre Trainingshose unter dem Bett ;-)), um anschliessend noch die letzten knapp 80 km auf italienischem Boden zurück zu legen. Sami und Dani erkundeten am letzten Tag eine bis dato noch unbekannte Runde, die um den Tirli dem Meer entlang führte, um dann in einem weiten Bogen durch unberührte Landschaften zurück ins allseits bekannte Reka-Dorf zu kehren.

Dort angekommen, vernaschten wir noch die restlichen Esswaren (die Hasen waren leider schon alle finito), prendiamo una doccia und zogen uns anschliessend in der besten Gelateria noch einen „kleinen“ Abschiedsgruss rein. Gestört wurde dieser Genuss lediglich von 2 Zuhältertypen, die sich wahrscheinlich auf dem Rückweg vom Nutellahügel mit ihrem alten, grauen Ferrari 348 am helllichten Tag noch einen Drink gönnten.

Nachdem sämtliches Gepäck wieder Platz im roten Teufel und der silbernen Schnupftabakdose gefunden hatte, machten wir uns gemütlich auf den Rückweg. Nachdem Roger ja bereits einige Tage zuvor abgefahren war, forcierte auch niemand das Tempo ins Abnormale, was zur Folge hatte, dass Reifen, Nerven und Benzin geschont werden konnten. Lediglich Samuel war gegen Ende kurz genervt, als Dani beim Heidiland aus Müdigkeitsgründen keine Lust mehr auf einen zusätzlichen Zwischenhalt verspürte.

Gegen Mitternacht kehrten wir alle gesund und munter zurück und bemerkten plötzlich, wie gross und schön doch unsere Wohnungen zu hause sind ;-)

Leider ging auch das Trainingslager 2006 wieder zu schnell vorbei, weshalb wir uns bereits jetzt auf das nächstjährige freuen! Gelohnt hat sich die Schinderei allemal, konnte sich (zumindest von den aktiven Rennfahrern) nach dem Lager niemand über mangelnde Form beklagen! Und auch die vermisste Hose kam plötzlich (bei Samuel??) zum Vorschein….

Die Trainingslagerteilnehmer